Training: Wie viele Gramm Kohlenhydrate pro Stunde Ihr Darm wirklich verarbeiten kann

Sporternährung und Wissenschaft

Kohlenhydrate pro Stunde: Von 60 auf 90 Gramm und die Rolle des Darmtrainings

Bei langen Belastungen heißt es oft: Mehr Kohlenhydrate, mehr Leistung. Die Studienlage ist aber differenzierter. Dieser Beitrag zeigt, warum die Aufnahme einer einzelnen Zuckerart bei etwa 60 Gramm pro Stunde endet, was Mischungen, Maltodextrin und neue Darreichungsformen leisten und wie weit sich der Darm trainieren lässt.

Kohlenhydrate, Fueling, Darmtraining, Ausdauer | 8. Oktober | 12 Min. Lesezeit

Kurz gesagt:

  1. Eine einzelne Zuckerart, die über denselben Transporter im Dünndarm aufgenommen wird (Glukose, Maltodextrin), wird nur bis etwa 60 g pro Stunde vollständig verwertet. Mehr bleibt im Darm.
  2. Mischungen aus Glukose oder Maltodextrin mit Fruktose nutzen einen zweiten Transporter. In Studien stieg die Oxidationsrate dadurch auf bis zu 1,75 g pro Minute, und bei Mengen über 60 g pro Stunde verbesserte sich teils die Leistung.
  3. Für Belastungen ab etwa 2,5 Stunden nennen Übersichtsarbeiten bis zu 90 g pro Stunde aus mehreren Zuckerarten. Mengen bis 120 g pro Stunde werden in Laborstudien geprüft, ein Leistungsvorteil ist bisher nicht belegt. In der Praxis werden, etwa bei Ironmanbewerben, noch größere Kohlenhydratmengen von Athleten vezehrt.
  4. Magen-Darm-Beschwerden sind häufig und ein wesentlicher Grund, warum Empfehlungen in der Praxis nicht erreicht werden. Schon Wochen gezieltes Darmtraining senkten die Beschwerden in Studien mit Läufern um rund 60 Prozent.
  5. Neue Technologien wie Hydrogel, optimierte Mischverhältnisse und andere Darreichungsformen sind bisher in kleinen Studien untersucht. Die Ergebnisse sind uneinheitlich.
ca. 60 g/h
Richtwert für die Menge, die eine einzelne Zuckerart (Glukose, Maltodextrin) pro Stunde ausschöpfen kann
ca. 90 g/h
Richtwert bei Belastungen ab etwa 2,5 Stunden, mit Mischungen aus mehreren Zuckerarten
1,75 g/min
Spitzenwert einer Studie mit Glukose und Fruktose, gegenüber 1,06 g/min mit Glukose allein (acht Radfahrer)
ca. 60 %
weniger Magen-Darm-Beschwerden nach zwei Wochen Darmtraining in einer Studie mit 25 Läufern

Richtwerte aus Übersichtsarbeiten und Einzelstudien, siehe Quellen. Die Angaben gelten für gesunde Erwachsene, überwiegend untersucht an trainierten Männern.

Der Beitrag setzt Ernährung nach dem Training fort. Dort ging es um die Zeit nach der Belastung, hier geht es um die Zeit währenddessen.

Warum es eine Grenze gibt: Transporter im Dünndarm

Kohlenhydrate aus Getränk, Gel oder Riegel müssen im Dünndarm ins Blut übertreten, bevor die Muskulatur sie verbrennen kann. Dafür sorgen Transportproteine: Glukose und Galaktose nutzen den Transporter SGLT1, Fruktose den Transporter GLUT5 (Jeukendrup 2017). Lange galt, dass aufgenommene Kohlenhydrate höchstens mit etwa 1 g pro Minute verbrannt werden, also mit 60 g pro Stunde. Jeukendrup (2010) sieht als wichtigsten Engpass die Aufnahme im Darm, vermutlich weil die Transporter gesättigt sind.

Ein Beispiel zeigt, wie das aussieht. In einer Studie mit acht trainierten Radfahrern (Jentjens 2004) brachte die Steigerung von 1,2 auf 1,8 g Glukose pro Minute keinen Zugewinn: Die höchste Oxidationsrate blieb bei etwa 0,8 g pro Minute. Wer mehr von derselben Zuckerart zuführt, erhöht damit die Menge im Darm, aber nicht die Menge, die in der Muskulatur ankommt.

Mischungen: Ein zweiter Transporter hebt die Grenze

Die Lösung liegt darin, Zuckerarten zu kombinieren, die unterschiedliche Transporter nutzen. In derselben Studie (Jentjens 2004) erreichte die Kombination aus 1,2 g Glukose und 0,6 g Fruktose pro Minute eine Spitzenoxidation von 1,26 g pro Minute, rund 55 Prozent mehr als mit Glukose allein. Bei 2,4 g pro Minute, je zur Hälfte Glukose und Fruktose, lagen die Werte bei 1,75 gegenüber 1,06 g pro Minute mit Glukose allein (Jentjens und Jeukendrup 2005, acht Radfahrer, 150 Minuten). Eine Übersicht (Jeukendrup 2010) fasst zusammen, dass die Oxidation mit mehreren Zuckerarten um bis zu 65 Prozent höher liegen kann, dass mehr Flüssigkeit aufgenommen wird und dass die Beschwerden in den meisten Studien geringer ausfielen als mit einer einzelnen Zuckerart.

Auch die Leistung wurde untersucht. In der Studie von Currell und Jeukendrup (2008) mit acht trainierten Radfahrern führte ein Getränk mit Glukose und Fruktose im Verhältnis 2 zu 1 zu einem um 8 Prozent besseren Zeitfahrergebnis als reine Glukose. Wichtig für die Einordnung: Beide Getränke lieferten 1,8 g pro Minute, also rund 108 g pro Stunde. Das liegt weit über dem, was Glukose allein verarbeiten kann. Der Vorteil zeigt sich entsprechend vor allem oberhalb von etwa 50 bis 60 g pro Stunde (Wilson 2014).

Welches Verhältnis ist das beste?

Klassisch gelten 2 Teile Glukose oder Maltodextrin zu 1 Teil Fruktose (Jeukendrup 2014). O'Brien und Rowlands (2011) verglichen bei zehn Radfahrern und Triathleten drei Verhältnisse von Fruktose zu Maltodextrin (0,5, 0,8 und 1,25 zu 1) bei 1,8 g pro Minute. Das Verhältnis 0,8 zu 1 erreichte die höchste Oxidation (etwa 1,14 gegenüber 1,04 und 1,05 g pro Minute), und Völlegefühl, Krämpfe und Übelkeit nahmen dabei am wenigsten zu. Die Unterschiede in der Oxidation waren klein, die Beschwerden unterschieden sich spürbar. Ein höherer Fruktoseanteil als beim klassischen 2 zu 1 könnte also Vorteile haben, belegt ist das aber nur durch kleine Studien.

Rechenbeispiel: Was bedeuten die Verhältnisse in Gramm?

Menge und Verhältnis Glukose oder Maltodextrin Fruktose Hinweis
90 g/h, Verhältnis 2 zu 1 60 g 30 g klassische Empfehlung
90 g/h, Verhältnis 1 zu 0,8 ca. 50 g ca. 40 g Verhältnis aus Laborstudie
120 g/h, Verhältnis 1 zu 0,8 ca. 67 g ca. 53 g nur in Laborstudien geprüft

Die Gramm-Angaben sind Rechenbeispiele aus den genannten Verhältnissen und keine Empfehlung. 90 g Kohlenhydrate liefern rund 360 kcal. Bei vier Stunden Belastung sind das 360 g oder rund 1.440 kcal, die zur Gesamtenergieaufnahme des Tages zählen.

Maltodextrin im Sportgetränk: Vor- und Nachteile

Maltodextrin besteht aus Ketten von Glukosebausteinen, die aus Stärke gewonnen werden. Im Darm wird es zu Glukose gespalten und nutzt dann denselben Transporter SGLT1 wie Glukose selbst, es verhält sich in der Aufnahme also wie Glukose (Jeukendrup 2013). In Sportgetränken ist es ein seit Langem verbreiteter Baustein.

Vorteile

  • Weniger Teilchen im Getränk: Ketten erzeugen bei gleicher Gramm-Menge weniger gelöste Teilchen. In einer Untersuchung mit 180 g Kohlenhydrat pro Liter lag die Osmolalität eines Getränks aus Maltodextrin und Fruktose bei 727 mOsmol pro kg, bei einem Getränk aus Glukose und Fruktose bei 1.392 (Sutehall 2020). Das Verlassen des Magens unterschied sich zwischen beiden Getränken statistisch allerdings nicht.
  • Geringere Süße: Maltodextrin schmeckt weniger süß als Glukose oder Fruktose und kann bei hohen Mengen angenehmer zu trinken sein (Jeukendrup 2013).
  • Gute Kombinierbarkeit: Mit Fruktose erreichte Maltodextrin in Studien Oxidationsraten von rund 1,1 bis 1,5 g pro Minute, und im Verhältnis 0,8 zu 1 war die Verträglichkeit am besten (Jeukendrup 2013, O'Brien und Rowlands 2011).
  • Etablierter Rohstoff: Es steckt in vielen Produkten und ist gut erforscht.

Nachteile und Grenzen

  • Gleicher Transporter wie Glukose: Allein genutzt gilt dieselbe Grenze von etwa 60 g pro Stunde. Wer 90 g pro Stunde nur aus Maltodextrin trinkt, überschreitet, was der Transporter verarbeiten kann (Jeukendrup 2010, 2014).
  • Mehr im Darm, mehr Beschwerden: Was nicht aufgenommen wird, bleibt im Darm. Mehrfachzucker sollen verhindern, dass sich Kohlenhydrate dort anstauen (Jeukendrup 2014). In mehreren Studien mit Glukose und Fruktose waren die Beschwerden geringer als mit einem einzelnen Zucker (Jeukendrup 2010, Wilson 2014).
  • Hohe Konzentrationen: Stark konzentrierte Lösungen, Ballaststoffe und Fett können Beschwerden verstärken (Jeukendrup 2017). Das gilt unabhängig von der Zuckerart.

Maltodextrin ist damit weder ein Problem noch eine Lösung für sich, sondern ein Baustein. Die Frage ist, ob es allein oder zusammen mit Fruktose eingesetzt wird und in welcher Menge. Für Mengen über 60 g pro Stunde sprechen die Studien für Mischungen.

In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Fueling im Rennen und im Training durch hervorragend designte Produkte dramatisch verändert. Hier hat das klassische Maltodextrin im Spitzensport weitgehend ausgedient, man muss schon auf ausgeklügeltere Produkte zurückgreifen.

Von 60 auf 90 auf 120: Was die Empfehlungen sagen

Jeukendrup (2014) leitet Empfehlungen aus Dauer und Intensität ab. Bei Belastungen um eine Stunde können schon kleine Mengen oder eine Mundspülung die Leistung verbessern. Bei zwei bis drei Stunden gelten bis zu 60 g pro Stunde als sinnvoll, bei längeren oder intensiven Belastungen bis zu 90 g pro Stunde, dann aber nur aus mehreren Zuckerarten. Die Empfehlungen hängen nach dieser Übersicht nicht vom Körpergewicht ab, und bei niedriger absoluter Intensität kann weniger genügen, weil die Oxidationsraten dann ebenfalls niedriger liegen. Burke und Kollegen (2011) nennen für längere Einheiten 30 bis 60 g pro Stunde und für Einheiten über 2,5 Stunden bis zu 90 g pro Stunde.

Orientierung nach Dauer

Dauer der Belastung Menge Zuckerarten
bis etwa 1 Stunde kleine Mengen oder Mundspülung eine Zuckerart genügt
1 bis 2 Stunden 30 bis 60 g/h eine Zuckerart genügt
2 bis 3 Stunden bis 60 g/h, mit Mischung auch mehr Mischung sinnvoll
ab etwa 2,5 bis 3 Stunden bis 90 g/h mehrere Zuckerarten nötig

Richtwerte aus Jeukendrup (2014) und Burke et al. (2011), keine individuellen Vorgaben. Wer neu beginnt, steigert die Menge schrittweise und testet sie im Training.

In der Praxis erreichen viele Sportlerinnen und Sportler diese Mengen nicht. In einer Untersuchung an 221 Ausdauersportlern (Pfeiffer 2012) lag die mittlere Aufnahme bei Langdistanz-Triathlons bei 62 bis 71 g pro Stunde und im Marathon bei 35 g pro Stunde. Die einzelnen Werte reichten von 6 bis 136 g pro Stunde. Ernste Magen-Darm-Beschwerden traten bei Langdistanz-Triathlons häufiger auf als im Marathon oder bei einem 100- bis 150-Kilometer-Radrennen.

Und 120 Gramm pro Stunde?

Podlogar und Kollegen (2022) ließen elf hochtrainierte Radfahrer drei Stunden bei 95 Prozent der Gasaustauschschwelle fahren, nüchtern gestartet. Verglichen wurden 120 g pro Stunde (Fruktose zu Maltodextrin 0,8 zu 1) mit 90 g pro Stunde (Verhältnis 1 zu 2). Die Oxidation der aufgenommenen Kohlenhydrate lag mit 120 g pro Stunde höher (1,51 gegenüber 1,29 g pro Minute), die körpereigene Kohlenhydratverbrennung blieb aber gleich. Die zusätzlichen Kohlenhydrate sparten also keine Glykogenspeicher. Ob sich das in Leistung übersetzt, wurde nicht geprüft. Hearris und Kollegen (2022) gaben neun trainierten Männern 120 g pro Stunde als Getränk, Gel, Kaubonbon oder Kombination und fanden eine ähnliche Oxidation von 1,56 bis 1,66 g pro Minute bei geringen Beschwerden, allerdings nach 24 Stunden kohlenhydratreicher Vorbereitung. Beide Studien sind kleine Laborstudien an Männern.

Magen-Darm-Beschwerden: Warum sie entstehen

Eine systematische Übersicht (Costa 2017) zeigt, dass mit der Intensität und Dauer einer Belastung auch Darmschäden, Durchlässigkeit der Darmwand und Aufnahmestörungen zunehmen und Magenentleerung und Darmpassage sich verlangsamen. Hitze und Laufen verstärken das.

Eine Schwelle liegt demnach bei etwa zwei Stunden mit rund 60 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme, unabhängig vom Trainingszustand. Jeukendrup (2017) beziffert den Anteil der Betroffenen mit 30 bis 50 Prozent und nennt Hitze, Flüssigkeitsmangel, Ballaststoffe, Fett und hoch konzentrierte Kohlenhydratlösungen als Faktoren, die Beschwerden verstärken können.

Für die Praxis heißt das: Beschwerden haben mehrere Ursachen, und die Kohlenhydratmenge ist nur eine davon. Die Mehrfachzucker-Studien stammen außerdem überwiegend von Radfahrern bei hoher Leistung und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Läufer bei niedrigerer absoluter Intensität übertragen (Jeukendrup 2017, Wilson 2014).

Darmtraining: Was die Studien zeigen

Die Idee des Darmtrainings: Der Darm passt sich an das an, was er regelmäßig verarbeiten muss. Jeukendrup (2017) beschreibt, dass in Tierversuchen mehr Kohlenhydrate in der Ernährung die Zahl der SGLT1-Transporter erhöhen, bei Mäusen etwa um das 1,9-fache nach zwei Wochen. Direkte Messungen beim Menschen gibt es nicht, die Übertragung ist eine Schlussfolgerung. Dafür gibt es Studien am Menschen, die indirekte Hinweise liefern.

Cox und Kollegen (2010) ließen 16 Radfahrer und Triathleten 28 Tage trainieren, die Hälfte mit kohlenhydratreicher, die andere mit kohlenhydratärmerer Ernährung. In der kohlenhydratreichen Gruppe stieg die Oxidation von getrunkener Glukose während 100 Minuten Fahrt von 54,6 auf 63,6 g, in der anderen Gruppe veränderte sie sich nicht. Die Leistung verbesserte sich insgesamt um rund 6 Prozent, und die Veränderungen im Stoffwechsel änderten daran nichts. Der Körper nimmt also mehr auf, ein zusätzlicher Leistungsvorteil folgte daraus in dieser Studie nicht.

Direkter auf den Darm gerichtet waren zwei Studien einer Arbeitsgruppe aus Australien mit Läufern. In der Studie von Costa und Kollegen (2017) trainierten 25 Läufer zwei Wochen lang täglich eine Stunde mit Kohlenhydraten als Gel, als Nahrungsmittel oder mit Placebo. Beim anschließenden Test (zwei Stunden Laufen mit 30 g Kohlenhydraten alle 20 Minuten, danach ein Stundentest) gingen die Beschwerden mit dem Gel um rund 60 Prozent und mit Nahrungsmitteln um 63 Prozent zurück. Der Wasserstoffwert in der Atemluft, ein Hinweis auf nicht aufgenommene Kohlenhydrate, war mit Gel am niedrigsten, und die Laufstrecke im Stundentest verbesserte sich um 5,2 Prozent (Gel) und 4,3 Prozent (Nahrung), während sie mit Placebo um 2,1 Prozent sank. Miall und Kollegen (2018) fanden bei 18 Läufern mit 90 g Kohlenhydraten pro Stunde ähnliche Ergebnisse: weniger Magen-Darm-Beschwerden und weniger Übelkeit, einen Rückgang des Atem-Wasserstoffs von 13 auf 6 ppm und eine Steigerung der Laufstrecke von 11,7 auf 12,3 km. Die beiden Studien stammen aus derselben Arbeitsgruppe, ihre Teilnehmer könnten sich überschneiden.

Darmtraining in der Praxis

Aus den Studien und der Übersicht von Jeukendrup (2017) lassen sich drei Grundsätze ableiten. Erstens: Die geplante Zufuhr gehört in die Trainingseinheit und nicht erst in den Wettkampf. Jeukendrup empfiehlt, den Plan mindestens einmal pro Woche zu üben, einschließlich Flüssigkeit. Zweitens: In den Studien wurde regelmäßig und über zwei Wochen täglich geübt, dazu eine Stunde pro Einheit bei mäßiger Intensität. Drittens: Wer sich kohlenhydratarm oder mit Energiebeschränkung ernährt, sollte nach Jeukendrup auch Tage mit hoher Kohlenhydratzufuhr einplanen, weil der Darm sonst verlernen könnte, viel zu verarbeiten. Das ist eine Einschätzung auf Basis von Tierversuchen und Ernährungsstudien, kein Ergebnis kontrollierter Langzeitstudien am Menschen.

Neue Produkttechnologien: Hydrogel, Verhältnisse, Darreichungsform

Auf dem Markt gibt es inzwischen Produkte, die über klassische Maltodextrin-Getränke hinausgehen. Drei Ansätze lassen sich unterscheiden, ohne einzelne Produkte zu bewerten.

Hydrogel

Hier werden Kohlenhydrate mit Natriumalginat und Pektin kombiniert. Die Idee ist, dass die Mischung den Magen schneller verlässt und Beschwerden mindert. Die Studienlage ist klein und uneinheitlich:

  • Sutehall und Kollegen (2020) gaben acht gesunden Männern in Ruhe 500 ml Getränk mit 180 g Kohlenhydrat pro Liter. Die Hälfte des Getränks hatte den Magen mit Alginat und Pektin nach rund 21 Minuten verlassen, ohne Zusatz nach 37 Minuten, bei der Glukose-Fruktose-Variante nach 51 Minuten. Blutzucker und Insulin unterschieden sich nicht.
  • Rowe und Kollegen (2022) ließen elf trainierte Läufer 120 Minuten laufen und dann einen 5-km-Test absolvieren, mit 90 g pro Stunde Glukose und Fruktose (2 zu 1) als Hydrogel, als gewöhnliche Lösung oder Placebo. Das Hydrogel war 2,1 Prozent schneller als die gewöhnliche Lösung und 7,6 Prozent schneller als Placebo, die Oxidation der Kohlenhydrate etwas höher (68,6 gegenüber 63,4 g), und die Beschwerden lagen unter denen der gewöhnlichen Lösung.
  • Sutehall und Kollegen (2022) fanden bei acht trainierten Läufern keinen Unterschied der Oxidation zwischen Hydrogel und gewöhnlichem Getränk bei 70 g pro Stunde. Ein Hydrogel-Getränk mit 180 g pro Stunde erreichte eine Spitzenoxidation von rund 1,13 g pro Minute, aber mit stärkeren Beschwerden wie Aufstoßen, Blähungen und Stuhldrang.

Das Bild: Ein Effekt auf die Magenentleerung ist in Ruhe gezeigt, auf die Leistung gibt es eine kleine positive Studie, und sehr hohe Mengen führten zu mehr Beschwerden. Alle drei Studien arbeiteten aber lediglich mit acht bis elf Männern. In der Praxis ergibt sich ein anderes Bild, das sind aber lediglich Beobachtungen.

Optimierte Mischverhältnisse

Wie oben beschrieben, wird statt des klassischen 2 zu 1 zunehmend ein höherer Fruktoseanteil verwendet. Die Daten dazu (O'Brien und Rowlands 2011, Podlogar 2022) stammen aus Laborstudien mit zehn und elf Männern. Welches Verhältnis im Alltag das beste ist, hängt vermutlich von der Person, der Menge und der Belastung ab.

Darreichungsform

Ob die Kohlenhydrate als Getränk, Gel oder Kaubonbon zugeführt werden, spielte in Studien für die Oxidation keine Rolle. Die Wahl kann sich damit nach Geschmack, Praktikabilität und Verträglichkeit richten, etwa bei Einheiten, in denen Trinken schwierig ist.

Einordnung für die Praxis

Spitzensport

  • Zufuhr pro Einheit planen: Menge pro Stunde, Zuckerverhältnis, Darreichungsform und Flüssigkeit, im Training wie im Wettkampf.
  • Mengen schrittweise steigern und in Trainingseinheiten testen, bevor sie im Wettkampf eingesetzt werden.
  • Beschwerden, Menge, Form und Bedingungen (Hitze, Intensität) notieren, um Muster zu erkennen.
  • Mengen über 90 g pro Stunde nur als Experiment betrachten: Ein Leistungsvorteil ist bisher nicht belegt.
  • Bei kohlenhydratarmen Trainingsphasen auch Einheiten mit hoher Zufuhr einplanen.

Alltag und Hobbysport

  • Bei Einheiten bis etwa einer Stunde genügen kleine Mengen. Mehr bringt bei dieser Dauer wenig.
  • Ab etwa zwei Stunden 30 bis 60 g pro Stunde einplanen, aus Getränk, Gel oder Lebensmitteln, die Sie vertragen.
  • Wer über 60 g pro Stunde gehen möchte, kombiniert Glukose oder Maltodextrin mit Fruktose und übt die Menge vorher.
  • Vor und während langer Einheiten Fett, Ballaststoffe und stark konzentrierte Getränke eher sparsam einsetzen, wenn Sie zu Beschwerden neigen.
  • Die Zufuhr im Training zählt zur Tagesenergie und ersetzt keine Mahlzeiten.

Hinweis zu Produkten und Studien

Der Beitrag bewertet keine einzelnen Produkte. Ein Teil der Literatur zu Sporternährung entsteht in Zusammenarbeit mit Herstellern. So war die zitierte Übersichtsarbeit von Podlogar und Wallis (2022) Teil eines Heftes, das von einem Institut eines Sportgetränkeherstellers unterstützt wurde. Das macht die Ergebnisse nicht falsch, sollte aber beim Lesen mitgedacht werden. Wer Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes oder andere Erkrankungen hat, sollte Änderungen der Kohlenhydratzufuhr vorher ärztlich besprechen.

Grenzen der Datenlage

Die Studien zu Kohlenhydraten pro Stunde sind überwiegend kleine Laborstudien mit acht bis 25 Teilnehmern, meist trainierten Männern auf dem Rad. Eine Auswertung von 24 Studien zu Mehrfachzuckern (Wilson 2014) fand unter 266 Teilnehmenden nur 17 Frauen. Aussagen für Läuferinnen, Triathletinnen, Ältere oder Hobbysportler sind damit vorsichtig zu treffen.

Eine höhere Oxidationsrate ist nicht dasselbe wie eine bessere Leistung. In der Studie von Podlogar und Kollegen (2022) stieg die Oxidation mit 120 g pro Stunde, ohne dass Glykogen gespart wurde, und in der Studie von Cox und Kollegen (2010) verbesserten sich Oxidation und Leistung unabhängig voneinander. Die Laborbedingungen (konstante Leistung, nüchterner Start, festgelegte Produkte) entsprechen zudem nur teilweise einem Rennen. Podlogar und Wallis (2022) halten in ihrer Übersicht daher fest, dass die Empfehlungen künftig stärker auf die einzelne Person zugeschnitten werden sollten.

Für das Darmtraining stammen die Belege aus zwei Studien einer Arbeitsgruppe mit 25 und 18 Läufern. Ein Mechanismus im menschlichen Darm wurde bisher nicht direkt gemessen (Jeukendrup 2017).

Was die Evidenz nicht trägt:

  • Dass 90 g pro Stunde für jede Person und jede Belastung das Optimum sind.
  • Dass 120 g pro Stunde die Leistung verbessern.
  • Dass Hydrogel Magen-Darm-Beschwerden bei allen verhindert.
  • Dass Darmtraining Beschwerden bei allen beseitigt.
  • Dass Maltodextrin ungeeignet wäre. Es hat eine Grenze, wenn es allein eingesetzt wird.

Aus der Praxis: Je besser das Fueling, desto mehr greift man der Regeneration vor, desto weniger belastend sind lange, aber auch intensive Einheiten. Man schont die Muskulatur, indem man Depletion weitgehend vermeidet. Das gilt es zu managen. Im Spitzensport stehen bei guten Trainern diese Fueling-Mengen bei den Trainingssessions dabei. Auch nehmen Profis, etwa bei Ironmanbewerben, höhere Mengen an Kohlenhydraten zu sich als in den Studien. 

Weiterlesen: Ernährung nach dem Training: Was Kohlenhydrate und Protein wirklich leisten und Kreatin: Das am besten untersuchte Supplement, nüchtern betrachtet.

Quellen

  • Burke LM, Hawley JA, Wong SHS, Jeukendrup AE (2011), Journal of Sports Sciences 29(Suppl 1):S17-S27, Carbohydrates for training and competition.
  • Costa RJS, Miall A, Khoo A, Rauch C, Snipe R, Camões-Costa V, Gibson P (2017), Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism 42(5):547-557, Gut-training: the impact of two weeks repetitive gut-challenge during exercise on gastrointestinal status, glucose availability, fuel kinetics, and running performance.
  • Costa RJS, Snipe R, Kitic CM, Gibson PR (2017), Alimentary Pharmacology and Therapeutics 46(3):246-265, Systematic review: exercise-induced gastrointestinal syndrome: implications for health and intestinal disease.
  • Cox GR et al. (2010), Journal of Applied Physiology 109(1):126-134, Daily training with high carbohydrate availability increases exogenous carbohydrate oxidation during endurance cycling.
  • Currell K, Jeukendrup AE (2008), Medicine and Science in Sports and Exercise 40(2):275-281, Superior endurance performance with ingestion of multiple transportable carbohydrates.
  • Hearris MA et al. (2022), Journal of Applied Physiology 132(6):1394-1406, 13C-glucose-fructose labeling reveals comparable exogenous CHO oxidation during exercise when consuming 120 g/h in fluid, gel, jelly chew, or coingestion.
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  • Wilson PB (2014), Doktorarbeit, University of Minnesota, Multiple transportable carbohydrates and endurance exercise: addressing selected issues in the literature.

Stand der Recherche: 8. Oktober 2026

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes, bestehenden Erkrankungen oder Unsicherheit über den eigenen Bedarf empfiehlt sich eine Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft. Nahrungsergänzungsmittel und Sportprodukte ersetzen keine ausgewogene Ernährung.

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