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Sporternährung und Wissenschaft
Ein Getränk, das zu Ihrem Schweiß, Ihrem Tempo und Ihrem Magen passt, gehört zu den wirkungsvollsten Stellschrauben, die Sie im Training selbst in der Hand haben. Der Beitrag zeigt, wie unterschiedlich Schweißrate und Salzverlust sein können, wie viel Natrium und wie viele Kohlenhydrate pro Stunde die Studienlage trägt und wie Sie Ihren eigenen Bedarf in wenigen Einheiten herausfinden.
Kurz gesagt:
Quelle der Schweißdaten: Baker et al. (2016), gemischte Sportarten, 80 Prozent Männer. Der Natriumverlust ist eine Rechnung aus den Mittelwerten, keine Messung. Siehe Quellen.
Der Beitrag ergänzt Ernährung nach dem Training und den Beitrag zu Kohlenhydraten pro Stunde. Dort ging es um den Treibstoff, hier geht es um die Frage, wie dieser Treibstoff mit Wasser und Salz zusammenspielt.
Ein Sportgetränk erledigt drei Aufgaben gleichzeitig: Es liefert Energie, es ersetzt Flüssigkeit und es enthält Salz, in erster Linie Natrium. Wer diese drei Größen aufeinander abstimmt, trinkt gerne, verträgt das Getränk besser und kommt näher an das, was der eigene Körper tatsächlich braucht. Die Belohnung ist spürbar: gleichmäßigere Energie, ein ruhiger Magen und das Gefühl, am Ende einer langen Einheit noch frisch zu sein. Das Schöne daran: Anders als bei vielen anderen Themen im Sport lässt sich das in der Praxis selbst prüfen, mit einer Waage, einer Trinkflasche und ein paar ehrlichen Trainingseinheiten.
Als typische Spanne der Schweißrate nennt die Fachliteratur etwa 0,5 bis 2,0 Liter pro Stunde, in Einzelfällen auch über 3 Liter (Baker 2017). Eine große Auswertung mit 506 Sportlerinnen und Sportlern aus Ausdauer- und Ballsportarten fand einen Mittelwert von 1,21 Litern pro Stunde, bezogen auf das Körpergewicht 15 Milliliter pro Kilogramm und Stunde. Die Spanne reichte von 0,26 bis 5,73 Litern pro Stunde (Baker et al. 2016). Intensität, Hitze, Luftfeuchtigkeit, Kleidung, Körpergröße und Gewöhnung an Wärme beeinflussen den Wert (Baker 2017).
Für die Praxis heißt das: Die Aussage „ein Liter pro Stunde“ trifft für manche Personen zu, für andere ist sie weit zu viel oder deutlich zu wenig. Verallgemeinerte Trinkmengen taugen nur als grober Startpunkt.
Auch der Salzgehalt des Schweißes ist individuell. Für Natrium im Ganzkörperschweiß nennt die Literatur eine Spanne von etwa 10 bis 90 mmol pro Liter (Baker 2017). In der Auswertung von Baker und Kollegen (2016) lag der aus Vorderarmmessungen geschätzte Ganzkörperwert im Mittel bei 36 mmol pro Liter (Spanne 18 bis 71), das entspricht etwa 825 mg Natrium pro Liter Schweiß (Spanne rund 420 bis 1.630 mg). Multipliziert man Schweißrate und Natriumgehalt, entstehen sehr verschiedene Werte.
| Schweißrate | Wenig Natrium im Schweiß (ca. 420 mg/L) | Mittlerer Wert (ca. 825 mg/L) | Viel Natrium im Schweiß (ca. 1.600 mg/L) |
|---|---|---|---|
| 0,8 L/h | ca. 340 mg | ca. 660 mg | ca. 1.280 mg |
| 1,2 L/h | ca. 500 mg | ca. 990 mg | ca. 1.920 mg |
| 2,0 L/h | ca. 840 mg | ca. 1.650 mg | ca. 3.200 mg |
Die Werte sind gerundete Rechenbeispiele aus den Zahlen von Baker et al. (2016) und keine Empfehlung. 1.000 mg Natrium entsprechen rund 2,5 g Kochsalz (Natriumchlorid). Zwischen der niedrigsten und der höchsten Zelle liegt etwa der Faktor 10.
Dazu kommt, dass die Messung selbst fehleranfällig ist. Natriumwerte vom Vorderarm überschätzen den Ganzkörperwert nach Baker (2017) meist um etwa 25 bis 100 Prozent, auch wenn beide Werte gut zusammenhängen. Schweißtests mit Pflastern sind deshalb eine grobe Orientierung. Die Schweißrate lässt sich dagegen mit einer Waage sehr zuverlässig bestimmen (siehe unten).
Fachgesellschaften und Sportinstitute nennen für Sportgetränke Natriumgehalte von 23 bis 69 mg pro 100 ml, das sind 230 bis 690 mg pro Liter. Handelsübliche Getränke liegen mit etwa 460 bis 920 mg pro Liter teils darüber (Australian Institute of Sport 2021). Aus Sicht des Geschmacks gelten etwa 400 bis 500 mg pro Liter als angenehm, deutlich über 1.000 mg pro Liter schmeckt vielen nicht mehr (Jeukendrup 2022). Elektrolyttabletten können die Konzentration außerdem schnell in Bereiche bringen, in denen das Getränk schwerer vom Magen aufgenommen wird (Jeukendrup 2022).
Wie viel Natrium bei Ihnen pro Stunde ankommt, hängt von der Trinkmenge ab:
| Trinkmenge | Getränk mit 300 mg/L | Getränk mit 500 mg/L | Getränk mit 700 mg/L |
|---|---|---|---|
| 0,5 L/h | 150 mg | 250 mg | 350 mg |
| 0,75 L/h | 225 mg | 375 mg | 525 mg |
| 1,0 L/h | 300 mg | 500 mg | 700 mg |
Zum Vergleich: Der mittlere rechnerische Verlust liegt bei rund 1.000 mg pro Stunde. Ein gut schmeckendes Getränk deckt davon also grob ein Viertel bis die Hälfte ab. Das ist als Rechenbeispiel zu verstehen.
Das ist kein Mangel des Getränks. Das Ziel ist nicht, jedes verlorene Milligramm sofort zu ersetzen. Mahlzeiten vor und nach der Einheit decken den Rest, und der Körper verfügt über Reserven. Bei langen, heißen Einheiten mit hoher Schweißrate und salzigem Schweiß kann die Lücke allerdings größer werden. Für diesen Fall sehen manche Praktiker mehr Natrium aus Getränk, Salzkapseln oder salzigen Lebensmitteln vor. Die Studienlage dazu ist dünn (siehe nächster Abschnitt).
Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben, und die Studienlage ist nicht gleich stark.
Die Antwort lautet daher: Für die Leistung kommen die Kohlenhydrate zuerst, Natrium und Flüssigkeit folgen als individuell abgestimmte Bausteine. Natrium gewinnt dort an Gewicht, wo viel und salzig geschwitzt wird, also bei langen, warmen Einheiten. Gerade dort fehlt aber die Evidenz, denn in der systematischen Übersicht wurde keine Studie bei großer Hitze durchgeführt, und bei keiner wurde der individuelle Schweißverlust gemessen.
„Hier muss man vor allem nach hohen CK-Werten und in der Höhe aufpassen, hydrieren und die Kohlenhydratmengen im Auge behalten.“
Kate Allen, Olympiateilnehmerin im Triathlon (Athen, Peking), Trainerin von Spitzenausdauersportlerinnen und -sportlern
Kohlenhydrate und Flüssigkeit lassen sich nicht unabhängig planen. Sportgetränke liegen üblicherweise bei 4 bis 8 Prozent Kohlenhydraten (40 bis 80 g pro Liter), im Handel bei 6 bis 8 Prozent (AIS 2021). Die Konzentration ergibt sich aus Zielmenge und Trinkmenge:
| Ziel pro Stunde | bei 0,5 L/h | bei 0,75 L/h | bei 1,0 L/h | bei 1,2 L/h |
|---|---|---|---|---|
| 60 g | 12 % | 8 % | 6 % | 5 % |
| 90 g | 18 % | 12 % | 9 % | 7,5 % |
Gerundete Rechenbeispiele. Als übliche Spanne gelten 4 bis 8 Prozent. Werte darüber sind nicht unmöglich, erhöhen aber die Konzentration im Magen und werden von manchen schlechter vertragen. Gels, Riegel und Kauprodukte können einen Teil der Kohlenhydrate übernehmen.
Wer bei kühlem Wetter nur 0,5 Liter pro Stunde trinkt, aber 60 g Kohlenhydrate erreichen will, kommt auf 12 Prozent im Becher. Dann sind Gels oder feste Nahrung eine Möglichkeit, ohne die Getränkekonzentration weiter zu erhöhen. Wer dagegen in der Wärme 1,2 Liter pro Stunde trinkt, erreicht 90 g mit 7,5 Prozent und liegt im üblichen Bereich. Für Natrium gilt dasselbe: Je mehr Sie trinken, desto mehr Natrium bekommen Sie bei gleicher Konzentration.
Die Frage, wie viel getrunken werden soll, wird in der Forschung seit Jahren diskutiert. Die wichtigsten Befunde:
Zusammengefasst: Wer lange und in der Hitze unterwegs ist, profitiert von einem Trinkplan, der aus der eigenen Schweißrate abgeleitet wird. Wer kürzer und kühler trainiert, kann sich am Durst orientieren. In beiden Fällen gilt: Nicht so viel trinken, dass das Körpergewicht während der Einheit ansteigt.
Die Schweißrate lässt sich mit Waage und Messbecher gut bestimmen. Der Vorgang folgt der Methode, die im Sports Science Exchange (Baker 2017) beschrieben ist:
1 Gramm Gewichtsverlust wird als 1 Milliliter Schweiß gerechnet. Bei Einheiten über 2 bis 3 Stunden kommen Atemwasser und Stoffwechselverluste dazu, die Rechnung wird dann ungenauer (Baker 2017).
Wiederholen Sie die Messung bei vergleichbarem Tempo und Wetter zwei- bis dreimal. Auch unter guten Bedingungen schwankt die Schweißrate von Tag zu Tag um etwa 5 bis 7 Prozent. Erst größere Abweichungen deuten auf eine echte Änderung hin (Baker 2017). Eine einzelne Einheit bei 12 Grad sagt über einen Wettkampf bei 28 Grad wenig aus. Hilfreich ist es, die Werte für kühle, mittlere und warme Tage getrennt zu notieren.
„Aus meiner Sicht ist das auch im alltäglichen Leben wichtig, beispielsweise am Berg, wo die muskuläre Leistungsfähigkeit vor allem nach Stunden des Aufstiegs ein Sicherheitsfaktor ist, im Sommer wie im Winter, etwa bei Skitouren. Je frischer, desto sicherer die Abfahrt oder der Abstieg, und warum hier nicht auf den Spitzensport zurückgreifen, der das ja perfekt vorzeigt. Außerdem mehr Genuss, mehr Fun.“
Kate Allen
Der Beitrag bewertet keine einzelnen Produkte. Mehrere der zitierten Arbeiten zu Schweißrate, Schweißtests und Trinkstrategien stammen von Autorinnen und Autoren, die im Forschungsinstitut eines Sportgetränkeherstellers tätig sind (Baker et al. 2016, Baker 2017, Kenefick 2018). Das macht die Ergebnisse nicht falsch, sollte aber beim Lesen mitgedacht werden. Die Natriumzufuhr bei Bluthochdruck, Herz- und Nierenerkrankungen oder bestimmten Medikamenten gehört in ärztliche Hände.
Die große Auswertung zu Schweißrate und Natriumgehalt (Baker et al. 2016) umfasst 506 Personen, davon 404 Männer und 102 Frauen, aus Ausdauer- und Ballsportarten. Der Ganzkörperwert für Natrium wurde nicht direkt gemessen, sondern aus Vorderarmmessungen geschätzt. Fehler in der Messmethode können die Natriumwerte erheblich verfälschen (Baker 2017).
Die systematische Übersicht zur Natriumzufuhr während der Belastung (2018) umfasst nur fünf Studien mit unterschiedlichen Dosen, Getränken und Leistungsmaßen. Keine davon testete bei großer Hitze, keine berücksichtigte die individuellen Schweißverluste. Die Daten zum Trinkverhalten stammen meist aus kleinen Laborstudien, die Studie von Perreault-Briere und Kollegen (2019) etwa umfasst neun Personen. Muskelkrämpfe sind nicht Thema dieses Beitrags, ihre Ursachen sind in der Forschung umstritten.
Was die Evidenz nicht trägt:
Weiterlesen: Ernährung nach dem Training: Was Kohlenhydrate und Protein wirklich leisten und Kreatin: Das am besten untersuchte Supplement, nüchtern betrachtet.
Stand der Recherche: 13. Oktober 2026
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, bestehenden Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder Unsicherheit über den eigenen Bedarf empfiehlt sich eine Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft. Nahrungsergänzungsmittel und Sportprodukte ersetzen keine ausgewogene Ernährung.