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Wer an Nährstoffmangel denkt, denkt meist an klassische Mangelkrankheiten wie Skorbut oder Rachitis. In westlichen Industrieländern sind solche Bilder aber mittlerweile selten geworden. Das eigentliche Problem liegt heute woanders: in einer Versorgung, die ausreicht, um akute Symptome zu verhindern, aber nicht, um alle Körperfunktionen optimal zu unterstützen.
Zwei Bereiche stehen dabei besonders im Fokus: der Status zentraler Mikronährstoffe wie Magnesium, Vitamin D, Zink sowie die Versorgung mit den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.
Unbequem, aber gut belegt: Viele Menschen in westlichen Ländern bewegen sich dauerhaft in einer Grauzone. Nicht krank, aber auch nicht dort, wo ihr Körper eigentlich sein könnte. Für Sportlerinnen und Sportler, deren Bedarf durch Training zusätzlich steigt, wird diese Grauzone schnell zur Leistungs- und Regenerationsbremse.
Und klar kann (und sollte) man alles über die perfekte Ernährung abdecken. Nur ob nun das Wissen zur richtigen Ernährung fehlt oder ob man das im "echten Leben" eben nicht zu 100% umsetzen kann ist egal. Die Zahlen zeigen, dass das die Idee mit dem richtigen Essen leider oft nicht funktioniert.
Der Biochemiker Bruce Ames formulierte 2006 die sogenannte Triage-Theorie (1). Ihre Grundidee: Ist ein Mikronährstoff knapp, verteilt der Organismus ihn bevorzugt an Prozesse, die für das kurzfristige Überleben unverzichtbar sind. Funktionen, die vor allem langfristig relevant sind, etwa DNA-Reparatur, Schutz vor oxidativem Stress oder Erhalt der Zellintegrität, werden dann nachrangig versorgt.
Ein moderater Mangel verursacht häufig keine spürbaren Beschwerden, kann aber über Jahre schleichend Prozesse beeinträchtigen, die mit dem Altern und altersassoziierten Erkrankungen in Verbindung stehen.
Ames erweiterte dieses Konzept 2018 um den Begriff der „Longevity Vitamins“, also Nährstoffe, deren ausreichende Versorgung vor allem für die langfristige Gesundheit bedeutsam ist (2).
Magnesium ist Kofaktor in mehreren hundert enzymatischen Reaktionen, unter anderem in der Energiegewinnung, der Muskel- und Nervenfunktion sowie der Proteinsynthese. Dennoch zeigen Daten aus den USA, dass knapp die Hälfte der Bevölkerung weniger Magnesium aufnimmt, als der durchschnittliche Bedarf vorsieht (3). Ein Grund liegt in stark verarbeiteten Lebensmitteln, bei deren Herstellung ein Großteil des Magnesiums verloren geht.
Erschwerend kommt hinzu, dass der gängige Serum-Magnesiumwert den tatsächlichen Körperstatus nur eingeschränkt abbildet, da sich lediglich etwa ein Prozent des Körpermagnesiums im Blut befindet. Ein subklinischer Mangel bleibt daher häufig unentdeckt (4).
Besonders interessant ist der Zusammenhang mit Stress. Pickering und Kollegen beschrieben 2020 einen möglichen Kreislauf: Psychischer und physischer Stress erhöhen die Ausscheidung von Magnesium, während ein niedriger Magnesiumstatus wiederum die Stressreaktion verstärken kann (5). Für Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler ist zudem relevant, dass über Schweiß und Urin bei intensiver Belastung zusätzliche Verluste entstehen (6).
Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, zu einer normalen Muskelfunktion sowie zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
Vitamin D3 nimmt eine Sonderstellung ein, da der Körper es bei ausreichender UVB-Strahlung selbst bilden kann. In mitteleuropäischen Breiten reicht die Sonneneinstrahlung jedoch von etwa Oktober bis März dafür kaum aus.
Eine Auswertung europäischer Daten ergab, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung Blutwerte unter 50 nmol/l aufweisen und etwa 13 Prozent sogar unter 30 nmol/l liegen (7). Für Deutschland zeigte die Studie DEGS1 des Robert Koch-Instituts, dass rund 60 Prozent der Erwachsenen den Wert von 50 nmol/l nicht erreichen (8).
Vitamin D3 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Eine große Metaanalyse im British Medical Journal zeigte, dass eine Supplementierung das Risiko akuter Atemwegsinfekte senken konnte, wobei Personen mit niedrigem Ausgangsstatus am deutlichsten profitierten und tägliche Gaben wirksamer waren als hohe Einzeldosen (9).
Patrick selbst hat gemeinsam mit Ames zudem untersucht, wie Vitamin D3 die Synthese des Botenstoffs Serotonin reguliert (10, 11). Diese Arbeiten sind mechanistischer Natur, verdeutlichen aber, wie weit die Rolle von Vitamin D3 über den Knochenstoffwechsel hinausreicht.
Zink und Selen werden nur in Mikrogramm- beziehungsweise Milligrammmengen benötigt, sind aber für die Immunfunktion zentral.
Beeinflusst die Entwicklung und Aktivität nahezu aller Immunzellen. Bereits ein milder Mangel kann die Funktion von T-Zellen beeinträchtigen, was Wessels und Kollegen dazu veranlasste, Zink als eine Art „Türsteher“ der Immunfunktion zu bezeichnen (12).
Bestandteil sogenannter Selenoproteine, darunter Enzyme wie die Glutathionperoxidasen, die Zellen vor oxidativem Stress schützen (13).
Ältere Menschen und Personen mit überwiegend pflanzlicher Ernährung sind bei Zink häufiger unzureichend versorgt, da Phytate aus Getreide und Hülsenfrüchten die Aufnahme hemmen.
Der Selengehalt von Lebensmitteln hängt stark vom Boden ab, auf dem sie wachsen. Europäische Böden sind im internationalen Vergleich eher selenarm, weshalb die Aufnahme in vielen europäischen Ländern unter den Empfehlungen liegt (13).
Sowohl Zink als auch Selen tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und helfen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA gehören zu den am besten untersuchten Nährstoffen überhaupt. Patrick betont in diesem Zusammenhang regelmäßig die Bedeutung des Omega-3-Index. Dieser Wert gibt den Anteil von EPA und DHA an den Fettsäuren der roten Blutkörperchen an und spiegelt die Versorgung der vergangenen Monate wider.
Als Zielbereich gelten 8 Prozent oder mehr, Werte unter 4 Prozent werden mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht (14).
Eine globale Erhebung zeigte, dass in weiten Teilen Europas und Nordamerikas die durchschnittlichen Blutspiegel im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich liegen (15). Die Ursache ist naheliegend: Fettreicher Seefisch wird in den meisten westlichen Ernährungsweisen selten gegessen, und die körpereigene Umwandlung der pflanzlichen Alpha-Linolensäure in EPA und insbesondere DHA ist beim Menschen sehr begrenzt.
Ein besonders spannender Forschungsbereich betrifft die Rolle von Omega-3-Fettsäuren bei der Entzündungsregulation. Aus EPA und DHA bildet der Körper sogenannte spezialisierte pro-resolvierende Mediatoren, darunter Resolvine, Protektine und Maresine (16).
Diese Moleküle unterdrücken Entzündung nicht einfach, sondern steuern aktiv deren Beendigung.
Für Regeneration nach Belastung oder Verletzung ist dieser Unterschied bedeutsam, da eine Entzündungsreaktion notwendig ist, um Anpassung und Heilung anzustoßen, aber auch rechtzeitig abklingen sollte (17).
EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei, DHA zudem zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion.
In einer großen gepoolten Analyse aus 17 Kohortenstudien war ein hoher Omega-3-Spiegel im Blut mit einer um rund 15 bis 18 Prozent niedrigeren Gesamtsterblichkeit assoziiert als ein niedriger Spiegel (18). In einer Untersuchung an älteren Frauen gingen höhere EPA- und DHA-Werte mit einem größeren Gehirn- und Hippocampusvolumen einher (19).
Zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehört, dass die Ergebnisse aus Interventionsstudien nicht einheitlich sind.
| Studie | Dosis und Zielgruppe | Ergebnis |
|---|---|---|
| VITAL (20) | 1 g Omega-3 täglich, Allgemeinbevölkerung | Keine signifikante Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse im primären Endpunkt |
| REDUCE-IT (21) | 4 g hochgereinigtes EPA täglich, Risikopatienten | Deutliche Risikoreduktion |
Diese Unterschiede verdeutlichen, dass Dosis, Ausgangsstatus und Zielgruppe entscheidend sind. Genau deshalb plädiert Patrick dafür, den eigenen Status zu messen, statt pauschal zu supplementieren.
Aus der dargestellten Forschung lassen sich einige klare Grundsätze ableiten:
Für Vitamin D3 (25-OH-Vitamin-D im Blut) und Omega-3 (Omega-3-Index) stehen aussagekräftige Tests zur Verfügung. Sie zeigen, ob und in welchem Umfang Handlungsbedarf besteht.
Fettreicher Seefisch, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und grünes Blattgemüse liefern viele der genannten Nährstoffe. Eine gezielte Supplementierung ergänzt dort, wo die Ernährung allein nicht ausreicht.
Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler, Menschen mit hoher Stressbelastung, ältere Personen sowie Menschen mit pflanzenbasierter Ernährung haben häufiger einen erhöhten Bedarf oder eine eingeschränkte Aufnahme.
Bei Omega-3-Präparaten entscheidet der tatsächliche Gehalt an EPA und DHA, nicht die Gesamtmenge an Fischöl. Bei Mineralstoffen spielt die Verbindungsform eine Rolle für die Verträglichkeit und Aufnahme.
Nehmen Sie Omega-3-Präparate nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein, wenn Sie Blutverdünner einnehmen, eine bekannte Gerinnungsstörung haben oder eine Fischallergie haben. Vitamin D sollte bei höherer Dosierung idealerweise auf Basis eines Blutwerts eingenommen werden. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bestehenden Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten holen Sie bitte vorab ärztlichen Rat ein.
Die Arbeit von Rhonda Patrick lenkt den Blick auf ein Problem, das leicht übersehen wird: Viele Menschen in westlichen Ländern sind nicht krank, aber auch nicht optimal versorgt. Magnesium, Vitamin D, Zink, Selen sowie EPA und DHA gehören zu den Nährstoffen, bei denen Lücken besonders häufig sind und bei denen die Forschung auf Zusammenhänge mit Immunfunktion, Stressregulation, Entzündungsauflösung und gesundem Altern hinweist.
Wer seine Regeneration und langfristige Gesundheit ernst nimmt, sollte diese Nährstoffe daher nicht dem Zufall überlassen, sondern den eigenen Status kennen und gezielt handeln.
Aufeinander abgestimmte Kombinationen der in diesem Artikel beschriebenen Nährstoffe. Hergestellt in Österreich.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge nicht überschreiten. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren. Bei Einnahme von Medikamenten, bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft oder Stillzeit vorab ärztlichen Rat einholen. Die dargestellten Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung oder Therapie.