Phillip Brugger: Ich bin Bergsportler

Phillip Brugger: Ich bin Bergsportler

„Ich bin Bergsportler“, sagt Philipp Brugger über sich selbst. Der Tiroler Alpinist und Ultra-Läufer ist einer der wenigen, der es schafft beliebig vom Bergsteigen zum Trail Running und wieder zurück zu wechseln. Lesen Sie wie leistungsorientiert und wissenschaftlich der Tiroler arbeitet, gleichzeitig aber immer seinem Gefühl folgt und zum Intervalltraining auch mal einem Steinbock nachjagt.

Philipp, Du bist heuer in bestechender Form, hast unter anderem den Ultra Trail Schwarzach gewonnen und warst zuletzt vierter beim Olympus Marathon. Das Training läuft offensichtlich gut?

Ja, mein Training lief heuer in der Tat sehr gut! Ich war wie immer viel in den Bergen unterwegs, lege aber seit 2014 meinen Fokus im Sommer mehr aufs Trail-Running. Jetzt bin ich in meiner dritten Saison und werde im Laufen immer stärker.

Erzähle uns ein bisschen vom Mount Olympus Marathon.

Der Mt.Olympus Marathon führt über 46 Kilometer und 2800 Höhenmeter über Trails vom Meer an die Basis des Mount Olympus und wieder zurück ans Meer. Die Bedingungen waren extrem. Vor allem die 38 Grad Lufttemperatur und die vielen kleinen Gegenanstiege in der prallen Sonne verlangten den Läufern alles ab. Ich hatte über weite Strecken einen perfekten Lauf, blieb mit dem Mineralstoffdrink und den Salzkapseln völlig krampffrei. Gegen Ende bekam ich jedoch einen Hitzestich und ich bin ein kleinwenig enttäuscht den schon abgesicherten dritten Platz noch verloren zu haben. Alles in allem war es aber ein großartiges Erlebnis. Der mystische Kurs und die vielen Zuseher sorgten für eine einzigartige Atmosphäre.

"Ich bin Bergsportler. Der Berg ist mein Ausdauertraining"

Du sagst von Dir selbst, dass Du Bergsportler bist? Wie darf man das verstehen?

Liegt Schnee, dann bin ich auf Skiern unterwegs, herrschen gute Kletterverhältnisse, dann gehe ich klettern. Wenn es warm ist, gehe ich eben laufen. Das Verbindende ist immer der Berg.

All das lässt sich mit den starken Leistungen bei den Ultra-Läufen vereinbaren?

Ja, denn der Berg ist mein Ausdauertraining. Bergsteigen, Eisklettern, Skitouren, Trailrunning – so mache ich viele meiner Ausdauereinheiten. Da bin ich auch Mal 10 bis 15 Stunden unterwegs. Wenn ich Laufen gehe, dann bleibt das meist im Rahmen von 2 bis 3 Stunden. Aber auch dann natürlich immer auf Trails und immer am Berg.

Bergsteigen, Eisklettern, Skitouren als Ausdauertraining. Wie sieht das konkret aus?

Ich war während meiner Vorbereitung zum Mount Olympus Marathon im Juni am Matterhorn, um dort die Nordwand zu besteigen (Anm.: Die Matterhorn Nordwand gehört zu den 3 großen Nordwänden der Alpen). Während dieser zwei bis drei Matterhorntage hole ich mir natürlich auch Grundlagenausdauer. Wir dachten (wie auch ein paar andere Nordwandaspiranten), dass die Bedingungen gut sein könnten. Leider war aber nur lockerer Schnee auf den Felsen und als die Sonne aufging, ging in der Wand auch ziemlich die Post ab, da der ganze Schnee ins rutschen kam und auch Steine mitnahm. Deshalb drehten wir schon frühzeitig um, weiter zu gehen wäre ein Himmelfahrtskommando gewesen. Aber auch dass gehört dazu.

Und im Mai warst Du noch in Norwegen?

Ja, für Dreharbeiten für eine Salomon Freeski Episode, die 2017 veröffentlicht wird, wurde ich nach Norwegen eingeladen, um mit Kilian Jornet auf einer Skidurchquerung durch die Berge von Romsdal gefilmt zu werden. Wir hatten zwar nicht das beste Wetter, aber es war eine fantastische Woche. 

„Ich bestreite zwei Saisonen. Im Winter mache ich Skitourenrennen und gehe Eisklettern, im Sommer nehme ich an Trailruns teil.“

Der Schwerpunkt liegt aber trotzdem im Laufen?

Ich bestreite zwei Saisonen: Im Winter mache ich noch immer Skitourenrennen und gehe Eisklettern, im Sommer nehme ich an (Ultra)Trailruns teil und bereite mich auch gewissenhaft darauf vor. Vor 2 Jahren bekam ich die Gelegenheit Teil des Salomon-Running Teams zu werden und bin darauf hin intensiver in die Trail-Running Szene eingestiegen. Nachdem ich aber auch im Laufen fast nur auf Trails unterwegs bin, bleiben bei mir die Berge Programm. 

„Trail-Running ist eine junge, noch wenig erforschte Sportart. Ich glaube, dass die Technik einen großen Teil des Erfolges ausmacht.“

Es gibt also einen wesentlichen Unterschied zwischen einem guten Marathonläufer und einem guten Trail-Runner?
Den gibt es definitiv! Das Laufen am Berg ist schon sehr speziell. Es gibt viele Top- Marathonläufer, die sich mit dem ständigen bergauf und bergab oder dem schwierigen Untergrund schwer tun. Wenn man wie ich schon als Kind viel in den Bergen unterwegs war, dann sind Dinge wie „bergab am Geröll Vollgas“ geben kein Problem. Man hat auf schwierigem Gelände mit viel Erfahrung einfach eine viel bessere Trittsicherheit. Trail-Running ist eine junge, noch wenig erforschte Sportart. Ich glaube, dass die Technik einen großen Teil des Erfolges ausmacht und das ist meine Stärke. Ich denke, dass Qualitäten, die man im Alpinklettern benötigt auch gut fürs Trailrunning sind.

Arbeitest Du mit einem Coach?
Nein, ich kenne meinen Körper gut und plane mein Training selbst.

 

„Ich bin einerseits sehr leistungsorientiert, mache aber das was mir Spaß macht. Wenn ich am Berg bin, einen Steinbock sehe und gute Beine habe, dann laufe ich ihm einfach eine Weile lang so schnell ich kann nach.“

Wie darf man sich das vorstellen. Schreibst Du Dir wöchentlich einen Trainingsplan?

Nein, ich schreibe mir so explizit keinen Trainingsplan, aber ich weiß genau was ich im Moment brauche und hake für mich dann diese Schlüsseleinheiten ab. Ich bin einerseits sehr leistungsorientiert, mache aber das was mir Spaß macht. Wenn ich am Berg bin, einen Steinbock sehe und gute Beine habe, dann laufe ich ihm einfach eine Weile lang so schnell ich kann nach. Die Freiheit Intensitäten auch so zu machen genieße ich. Das tut mir gut und funktioniert.

Wie sieht es mit Ruhetagen aus?

Ich mache wöchentlich einen kompletten Ruhetag.

Du hast über 80ml/kg VO2max. Machst Du Leistungsdiagnostiken?

Ich mache regelmäßig Leistungstests. Die Tests bestätigen meist das, was ich im Training schon lange spüre. Ich zeichne zudem jede Bewegung genau auf. Wenn etwas im Vorjahr gut funktioniert hat, dann wiederhole ich das und verbessere es vielleicht noch. Diese Kombination aus Diagnostik, Daten und Gefühl geben mir dann sehr genau die Richtung an, in die ich arbeiten muss.

Vielen Dank, Philipp!