Abseits des Alltäglichen: Rodelweltmeister Wolfgang Kindl

Abseits des Alltäglichen: Rodelweltmeister Wolfgang Kindl

In der vergangenen Saison gelang Dir das Meisterstück. Du wurdest zu Hause in Innsbruck-Igls frischgebackener Doppelweltmeister. Voll zufrieden mit dem Winter 2016/2017?

Ja, die vergangene Saison war sicher meine bisher beste. Wenn mir das jemand im vergangenen Herbst gesagt hätte, dann hätte ich das nie geglaubt. Klar, war eine WM-Medaille mein Ziel - gerade weil es eine Heim-WM war. Aber, dass es zwei Mal Gold wird, hätte ich nie gedacht.

"Ein Gesamtweltcupsieg wäre schon was ganz Besonderes, denn für einen guten Gesamtweltcupplatz muss man über eine ganze Saison konstant leisten und darf sich keinen Patzer leisten."

Du warst Vizeeuropameister, bist aktueller Doppelweltmeister, hast nun insgesamt 8 Medaillen bei Großereignissen am Konto. Fehlt eigentlich nur mehr Olympia und der Gesamtweltcup?

Ich war im Gesamtweltcup 2016 schon zweiter und auch heuer mit Platz drei wieder sehr konstant. Ein Gesamtweltcupsieg wäre schon was ganz Besonderes, denn für einen guten Gesamtweltcupplatz muss man über eine ganze Saison konstant leisten und darf sich keinen Patzer leisten. Und klar, Olympia ist natürlich in der kommenden Saison das Thema.

"In den Kurvenausgängen muss man immer wieder ein bisschen gegen sein Gefühl arbeiten, aber mir taugt die Olympiabahn. Ihr Charakter liegt mir und ich habe auch schon einige richtig gute Fahrten runtergelegt."

Dir liegt die Olympiaeisbahn 2018?

Die Kunsteisbahn in Pyeongchang wurde erst im vergangenen Dezember eröffnet. Sie hat gleich mehrere Schlüsselstellen und ist insgesamt sicher schwierig. In den Kurvenausgängen muss man immer wieder ein bisschen gegen sein Gefühl arbeiten, aber mir taugt die Olympiabahn. Ihr Charakter liegt mir und ich habe auch schon einige richtig gute Fahrten runtergelegt.

Dein Ziel ist eine Medaille?

Klar. Zum engeren Favoritenkreis gehören aber 10 Rodler. Unser Sport hat sich hinsichtlich der Dichte in den Top Ten in den vergangenen 20 Jahren richtig stark entwickelt. Früher gab es zwei, drei herausragende Rodler, heute sind es eben viel mehr. Es gibt nicht mehr nur Deutschland, Italien und Österreich am Podium. Teams wie das der USA, aber auch Russland sind in den letzten Jahren richtig stark geworden.

Hinsichtlich des Materials bist Du für Olympia gerüstet?

Wir haben im Österreichischen Team eine sehr gute Infrastruktur. Sicher ist unser Budget deutlich kleiner als etwa das des Deutschen Teams, aber wir haben in den letzten Jahren viel in die Forschung investiert und arbeiten insgesamt als Team sehr effizient zusammen. Diese Kultur, die wir hier an den Tag legen, ist die Grundlage für Medaillen bei Großereignissen.

"Wir sind ein bisschen die Formel 1 des Eiskanals."


Wie kann man sich das vorstellen?

Wir haben eine Idee und entwerfen dazu Prototypen, die wir natürlich testen müssen. Wir sind ein bisschen die Formel 1 des Eiskanals. Diese Ergebnisse teilen wir dann untereinander und kommunizieren unsere Ergebnisse und Erfahrungen. Nur so kommen wir international nicht ins Hintertreffen. Aus diesen Daten muss man dann für sich persönlich das beste Setup finden.

Wie bist Du eigentlich zu Andreas Ratz und seinem Sportlabor gekommen?

Ich wurde, wie viele andere, durch die Empfehlung von Kollegen auf Andreas aufmerksam. Bei mir war es Markus Prock, der mir das Sportlabor empfohlen hat. Die Supplementierung ist ein kleines aber ganz wichtiges Puzzleteil. Ich suche halt was, wo genau das drinnen ist, was ich brauche. Seit 2016 arbeite ich intensiver mit dem Andreas zusammen und das passt mir gut.

Kann man im Rodeln eigentlich als junger, wilder Hund auf Anhieb ganz vorne sein oder spielt einem das Alter hier in die Hände?

Erfahrung spielt im Rodeln eine ganz große Rolle. Dass junge, unerfahrene Rodler schnell nach vorne kommen ist eher die Ausnahme. Man muss die Bahnen kennen lernen, benötigt am Eis jeden Zeitlauf, um sein persönliches Setting zu finden. Über die Jahre entwickelt man dann die Konstanz, um vorne mitzufahren.

Man stelle sich Deinen Trainingskuchen vor: Wie teilt sich der in die unterschiedlichen Trainingsteile auf?

Ganz grob würde ich sagen fällt zirka ein Drittel auf das Krafttraining, ein weiteres Drittel auf spezifische Dinge wie Starttraining, spezielles Krafttraining oder Technikeinheiten und der Rest vor allem auf koordinative Dinge und aufs Ausdauertraining.

Ab wann bist Du wieder im Eiskanal.

Ab Anfang Oktober. Das geht freilich nur im Norden, etwa in Lillehammer. Danach geht es meistens weiter nach Lettland und ab Ende Oktober haben wir dann auch Eis in Innsbruck.

Weg vom Eis: Welche Sportarten machst Du abseits des Rodelns?

Ich gehe sehr gerne in die Berge und nutze den Frühling, um nach der Saison ein bisschen Ski zu fahren. Adrenalin muss aber auch ab und zu dabei sein. Dazu gehe ich dann Bungy-Jumping oder fahre GoCart.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere Olympiavorbereitung!